Nach der Ankunft im Vestervik Fishing
Camp lerne ich erst mal den Rest der Truppe kennen, inklusive Kay, der für
die nächsten Tage mein Bootspartner sein wird. Uli war einen Tag früher da, hat
schon geangelt und macht uns ganz heiss mit Geschichten und Bildern von
unzähligen Hechten, die er und Jörg auf Zalt, Zam und
Gummifisch in der Old Bay
gefangen haben. Natürlich gehen wir dann am nächsten Tag alle in diese riesige
Bucht, die von der Ostsee fast ganz abgetrennt ist und deshalb wohl auch
spezielle Bedingungen bietet. Unter anderem soll es dort eine spezielle
kleinwüchsige Heringsrasse geben, die die Bucht nie verlässt. Kai und ich tun
uns aber zunächst etwas schwer. Es fängt zwar gut an, mit einem 99er Hecht für
Kai, aber ausser hin und wieder einem kleineren tut sich dann eigentlich nicht
mehr viel. In dem überraschend trüben Wasser gehen knallige Farben und vor allem glitzrige noch am besten. Immerhin kann ich meinen ersten
Hecht auf Bulldawg
fangen. Abends resümieren wir, dass wir eigentlich viel zu langsam
gesucht haben
und geloben Besserung. Allerdings haben auch die anderen nicht so gut gefangen
wie gestern.
Im Labyrinth der Schären
Am
nächsten Tag geht es dann in die nördlichen Schären, wo ein echtes Gewimmel von
Inseln herrscht, und ich bin froh, dass ich mein GPS dabei habe. Wir treffen das
andere Boot und biegen wenig später in ein kleine Bucht ein. In dem flachen
Wasser beginne ich mit einem blau-silbernen
Husky Jerk, den ich vorsichtig
durchs Wasser zupfe und schon bald folgt der erste Biss, und der zweite, und der
dritte! So hab ich mir das vorgestellt. Zwei Buchten weiter geht Kai dann mit
dem Zalt so richtig zur Sache und ich kann mit dem
Slider einen 91 dingfest
machen. Der Zalt stellt sich aber als echter Ausnahmeköder raus: wenn man ihn
jerkt hat er einen sehr unregelmässigen lauf, bei dem die Flanken immer schön
aufblitzen und wohl auch die Klapperkugel klappert. Und die Hechte fahren total
auf ihn ab. Ich schätze mal, dass wir ohne Zalt bloss halb so viel gefangen
hätten. Jedenfalls arbeiten wir uns Bucht für Bucht voran und während einige
nett wirkende Ecken ganz leer sind, treffen wir dann plötzlich wieder auf ein
Gruppe Hechte. Mit der Zeit kriegen wir auch ein Auge dafür, wo es gut sein
könnte, aber so ganz sicher ist es dann doch nie. Am
Abend gehen wir dann nochmal in die erste Bucht und, man glaubt es kaum, jeder
kann noch einen Meterhecht landen! Kai fängt einen 103er auf Zalt, ich einen
101er auf den 10cm Slider! Es ist mein erster Meterhecht, wenn auch nur 2cm
grösser als mein bisher längster. Das war doch schon viel besser...
Am
nächsten Tag wollen wir dann in die südlichen Schären, um dass volle Programm
hinter uns zu bringen. Dort brauchen wir definitiv das GPS, um überhaupt hin zu
finden. Die Angelei ist aber extrem langsam, hin und wieder ein müder
Nachläufer, kaum mehr. Ein Blick auf die Temperaturanzeige vom Echolot verrät
den Grund: 1°C! Wir laufen eine tiefer landeinwärts führende Bucht an, wo wir
auch gleich wärmeres Wasser feststellen, aber letztlich nur in einer Seitenbucht
davon wirklich fangen, hauptsächlich auf Zalt. Gegen Abend beim zweiten
Durchlauf probier ich mit Erfolg einen neuen Köder, den
Rapala X-Rap. Leider ist
er etwas klein, macht aber gute Wege beim "walk the dog" und fängt einige
Hechte. In den folgenden Tagen setzte ich ihn vor allem in den Morgenstunden
ein, wo ein kleiner Happen wohl eher nach dem Gusto der Hechte war, und knallige
Farben auch gut liefen. Überhaupt war es bemerkenswert, dass auch im klaren
Wasser bunte und glänzende Köder sehr gut liefen, sobald die Sonne etwas flacher
stand, im trüberen natürlich sowieso.
Action am Hotspot
Nachdem wir jetzt alle 3 "Grossräume" kennengelernt hatten, wollten wir wieder
in die nördlichen Schären, wo es uns am besten gefiel. Zunächst klappern wir die
bekannten Stellen ab, ich kann immerhin einen 91 zum X-Rap Frühstück überreden,
aber die richtige Action finden wir nicht.
Wir gehen dann in das Gebiet, wo ein anderes Boot gestern sehr gut gefangen hat,
und finden dort ein Bucht, auf die der Wind steht, was sich in den letzen Tagen
(naja, es ist schon länger bekannt, nicht?) meist als sehr gut erwiesen hat. Und
dort geht es dann wirklich hoch her. Zwar sind kein wirklich grossen Fische
dabei, aber zeitweise tut sich bei jedem Wurf was. Unglaublich wie viele Hechte
sich hier auf kleinem Raum stapeln müssen! In der kleinen Bucht daneben ist es
gar noch krasser, aber da ist wohl wirklich nur der Kindergarten bis
allerhöchstens 70cm zuhause. Ich fange an diesem Tag mit 24 Hechten meine beste
Stückzahl, Kai fängt sogar 40. Das sollte dann für uns auch der
Stückzahlenmässige Höhepunkt von Urlaub sein. Kuriosum war noch der Fang eines
Hechts, der offensichtlich vor einiger Zeit einen Gummifisch samt Bleikopf
geschluckt hatte, von dem ein Stück des Haken schon reichlich verrostet aus dem
Bauch schaute, während gegenüber die Beule vom Bleikopf deutlich spürbar war.
Einem weitern Versuch, die legendären Grosshechte der Old Bay zu fangen, könne
wir auch nicht widerstehen, aber es bleibt bei einem sehr guten Nachläufer auf
einen grossen rosa (die Farbe hat irgendwas) Shad. Sehr bewährt haben sich in
diesem Urlaub die erstmals eingesetzten Titanvorfächer, die mir mindestens einen
Köderverlust erspart haben (wenn ich mit meinen Mitanglern vergleiche), und von
denen ich keins Auswechseln musste! Lediglich dass an der Jerkrute hat am
zweitletzten Tag eine Faser eingebüsst, ich konnte aber problemlos weiterfischen
und fangen.