Entgegen
den Ankündigungen war der Fluss auch im Herbst erdig-trüb. Ausser uns
dreien war eine jugoslawische Fernseh-Crew, die für Seasons filmte, mit
einigen Freunden zugast. Gleich nach unserer Ankunft und dem Abendessen
mussten die ersten Gäste schon vom Wohnschiff aus Ihre Twister und
Wobbler auswerfen. Nachdem ein kleiner Zander gebissen hatte, probierte
ich es auch mit einem Mepps Aglia und
konnte einen schönen Zander von c. 55cm landen. Am nächsten Tag ging
es dann richtig los, wir fischten sehr viel mehr im Fluss als letztes mal. Beim
Twistern bissen auch schon bald die
ersten Zander und gelegentlich ein Rapfen. Gute Farben waren
rot-glitzer,
grün-glitzer und weiss. Die Jugoslawen fischten mit schweren
Twisterköpfen bis c. 40g. Wir fischten etwas leichter, sahen aber ein,
dass bei starker Strömung und zum Welsfischen die schweren Köpfe wohl
Ihre Berechtigung hatten. Glücklicherweise wechselte die Stärke der
Strömung oft, und wir konnten auch das 'leichte' Zeug einsetzen. Am
dritten Tag dann der Grosse Knüller: einer der Jugoslawen hakt einen
Beluga beim Zandertwistern. Er fischt zwar relativ grob, wegen der
vielen kleineren Welse, welche beim Twistern gefangen werden (3,30
Lachsrute und Fireline 27Kg), trotzdem kämpft er fast zwei Stunden mit
dem Fisch, bevor ihn zwei andere auch noch Haken (von aussen) und er
an die Oberfläche gezogen wird. Was für ein Trumm! (230 cm / 160 Kg)
Wo sind die Hechte?
Eigentlich
war ich ja wegen dem Hechtfischen in den Lagunen gekommen, hatte aber
ziemlich Pech damit. Einmal war es zu stürmisch um die Meeresbucht zu
durchqueren, dann hiess es bei dem Wind sei zuwenig Wasser in der
Lagune, dann verlor der Guide den Kontakt zu den anderen und kehrte um.
Zweimal war viel Wasser, aber keine Fische. Einmal hat es aber geklappt
und dieser halbe Tag war einer der Besten in meiner Anglerlaufbahn. Die
Hechte bissen wie
verrückt auf Spinner, wenn man mal eine Gruppe gefunden hatte, denn
ganz offenbar standen sie an einigen Orten dicht an dicht, während
ganze Schilfstreifen verödet schienen. 11 Stück fing ich in c. 3
Stunden. Die meisten davon starteten einige Attacken auf den Köder,
bevor sie hingen, so dass fast dauernd Action war. Es waren keine
grossen dabei, aber auch keine Babys, alle so zwischen 65 und knappen
80cm. Ausserdem gingen auch noch 3 Jumbo-Barsche von gegen 40cm auf den
Spinner und ein
fetter Rapfen. Aber es ist nicht nur das Fischen, was mir an der Lagune
so gefällt, sondern auch der Blick ins glasklare Wasser, in dem man die
Fische herumschwimmen sieht und die übrigen Lebewesen: Robben,
Fischotter, Adler, Gänse.
Finale Furioso
Am
Morgen des zweitletzten Tages sah ich Stromab vom Hausboot einen
Riesenschwarm Möwen und Kormorane und beim Fischen wurde dann klar,
dass wohl die Brassen in Riesenschwärmen vorbeizogen (ich wage nicht
sagen, ob sie Stromauf oder -ab gingen): man spürte die Fischleiber an
der Schnur, während der Twister vor lauter Fischen Mühe hatte, den
Gewässerboden zu erreichen. Einige Brassen wurden sogar mit Twister
gefangen, kleinere von den Möwen geschnappt. Die Zander hingegen hatten
sich wohl die Mägen vollgeschlagen und waren kaum zum Anbiss zu bewegen,
ganz nahe am Schilf fingen wir aber noch ein Zanderbaby mit lustiger Streifenfärbung. Der letzte Tag
indessen fing gut an. Zuerst ein schöner Zander
und dann, als
krönender Abschluss, nach einem zuppeligen 'Biss' auf Twister eine
gewaltige Flucht Stromab und nachdem der Fisch aus einem Ankerseil
befreit werden kann, beginnt ein Zermürbungskampf, den ich nach einer
Stunde für mich entscheiden kann: eine Wels
von 170cm und 35 Kg an mittelschwerer Hechtspinnrute und geflochtener
von 14Kg Tragkraft. Für das jugoslawischen Fernsehen muss ich ihn
nachher noch mal an den Haken hängen, mein allzu touristisches T-Shirt mit
einer neutralen grünen Jacke abdecken und irgendeinen Trinkspruch in die Kamera
brüllen.