Wir
waren mal wieder froh, nach langer Autofahrt in unserer Unterkunft anzukommen.
Das Haus, das durchaus seinen Charme hatte, lag im Lareen Park, laut
Reiseveranstalter war es "einfach aber zweckmässig" , bösartiger
hätte man es auch als "renovationsbedürftig aber bewohnbar"
bezeichnen können. Dicht hinterm Haus führte der River Drowes vorbei, in dem
wir als Feriengäste das Recht hatten, auf Lachs zu fischen. Davon machte ich
auch ausgiebig Gebrauch, da es aber in erster Linie ein Familienurlaub sein
sollte, vor allem vor dem Frühstück. Um es gleich vorwegzunehmen: es gelang
mir in 3 Wochen nicht einen Lachs zu fangen, obwohl ich sie oft springen sah und
manchmal so nah, dass ich eindeutig das Grinsen auf ihren Gesichtern sehen
konnte. Besonders an einen relativ warmen dunklen Morgen erinnere ich mich gut,
an dem ein Lachs 2-mal ganz eindeutig auf meinen Köder reagierte. Ich konnte
ihn gut sehen, wie er knapp unter der Oberfläche kurz dahinglitt und mit einer
Kehre wieder verschwand. Aber näher bin ich nicht an den Erfolg gekommen.
Besser
erging es mir mit den Forellen, deren Bestand aber wohl auch nicht so gewaltig
war, wie ich nach den ersten Erfolgen vermutet hatte. Die grösste von immerhin
44cm fing ich nämlich praktisch mit dem ersten Wurf stromauf mit einem selbstgebauten
Spinner mit schwarz/weissem Weidenblatt. Trotz einigen gewaltigen Sprüngen ging
der Drill nicht allzulang und die Handlandung verlief problemlos. Eine ähnlich
grosse hatte denselben Köder kurz zuvor unterhalb eines Wehres abgeschüttelt,
aber fiel am nächsten Tag dann auf eine Toby-Kopie rein. Die Forelle schmeckte
uns ganz hervorragend, weil aber ganz offenbar nicht so viel davon im Fluss
waren und der Angeldruck ziemlich hoch schien (auch wenn er meist den Lachsen
galt), setzte ich in der Folge alle weiteren Forellen zurück. Der Fluss war
aber auch ohne Lachserfolg sehr schön, nicht ganz naturbelassen, aber im
wesentlichen nach mittelalterlichem Standard ausgebaut: Viele Schwellen aus
Natursteinen und hölzerne, stegartige Uferwege für die Angler.
Barsche im Hechtsee
Nachdem
einige halbherzige Versuche im Lough Melvin eine Forelle zu fangen erfolglos
geblieben waren, fragten wir beim sehr freundlichen Verwalter des Lareen Parks,
Shane Gallagher, ob wir das Boot am "Hechtsee" Glenade benutzen
könnten. Ich unternahm dort eine Tagesausflug mit meiner Tochter. Während ich
verschiedene Jerkbaits ausprobierte (Die ruckartige Köderführung liess das
offenbar bereits recht fachkundige Mädchen mehrfach fragen: "Papa, hast du
einen Hänger?"), rüstete ich die 4-jährige mit einer Hegene aus, an der
schon bald die ersten Barsche zappelten. Da war sie natürlich mächtig stolz,
zumal der Papa, ja mit seinen riesigen Ködern gar nix fing! Ausdauer war aber
nicht ihre Stärke und so nahm ich dann bald die Hegene, um wenigstens eine
passable Vorspeise für die ganze Familie zusammenzufangen, was nicht so leicht
war, weil wir die meisten Barsche wegen Winzigkeit zurücksetzten. Der
Höhepunkt war aber wohl die Tatsache, dass das Boot so am Ufer vertäut war,
dass wir am Anfang und am Schluss jeweils zuerst die Hosen ausziehen mussten um
es durchs Flachwasser zu ziehen. Mit etwas mehr Ausdauer wären da bestimmt auch
noch ein paar Hechte zu holen gewesen, aber die wollen auch in Irland erstmal
erarbeitet werden.
Und noch mehr
Eins
der Familienausflüge führte uns dann in den Hafen von Killibegs, wo die
grösste Fischereiflotte Irlands stationiert ist. Nach einem Familienspaziergang
durch den Hafen sahen wir einige Kinder, die mit Makrelenpaternostern diversen
dorschartigen Babys nachstellten. Schnell war die Angelrute aus dem Auto geholt,
mit der Universalwaffe Hegene bestückt und meiner Tochter in die Hand
gedrückt. Es dauerte auch nicht lange und sie konnte sich ebenfalls über die
Winzlinge freuen, die ich später als Franzosendorsche und Köhler (Pollacks?)
identifizieren konnte. Als ihr Enthusiasmus etwas nachliess schnappte ich mir
die Rute und machte mich ans gewagte Unterfangen eine 3m Lange Paternostermontage
mit einer 2,40 m Rute (und Multirolle!) auszuwerfen, wieder erwarten legten die
Köder ein brauchbare Strecke zurück und im Absinken erfolgte dann plötzlich
ein vergleichsweise heftiger Biss der in einen rasanten Drill überging. Zwar
ging der Fisch im letzten Moment noch vom Haken, aber ich erkannte ihn als
Makrele. Ein paar Würfe später noch so ein Biss, ich drücke die Rute schnell meiner
Tochter in die Hand und sie kurbelt den Fisch gnadenlos herbei, diesmal bleibt
er hängen und die Freude ist gross. Die anderen Kinder probieren jetzt auch
auszuwerfen, aber wir bleiben die einzigen Makrelenfänger. Nachdem wir die
Angelsachen wieder eingepackt haben und einen letzten Blick aufs Wasser werfen
sehen wir plötzlich eine Seehund, der gemütlich durchs Hafenbecken paddelt.