Jan
Eggers hatte den Lesern des Raubfisch
Forums das Angebot gemacht, mit ihm ein Wochenende in den Poldern auf Hecht
zu fischen. Da ich das Gebiet und seinen Hervorragenden Hechtbestand ( Catch
& Release sei Dank) schon von zwei Hechtseminaren
her kannte, bemühte ich mich natürlich sofort um einen Platz. Irgendwie kam es
dann auch mit Wetter gut und ich fuhr nach Bovenkarspel, wo noch 3 andere Leser
aus Deutschland am Samstag eintrafen und wir gingen mit Jan auf die Pirsch. Jan
zeigte uns auch, wie man mit Jerkbaits fischt und brachte den
"Neulingen" die Grundlagen des Polderfischens (und Spinnfischens
allgemein) bei. Wir fingen einige Hechte und es kamen auch ein paar schöne ab.
Ende Saison kennen sie halt schon viel und beissen nicht mehr so vertrauensselig
zu. Ich hatte nur einen 70er, der auf einen weissen Lusox
Doppelspinner ging. Weil die anderen am nächsten Tag schon wieder
abreisten, ging ich Sonntags dann allein los. Ich probierte meine neue Triggerrute mit Multirolle aus und
beschloss, es nun auch mal mit Jerkbaits zu versuchen, und
zwar mit einem Salmo Slider. Schon beim zweiten Wurf hatte ich einen Biss auf
den Jerkbait, sehr überzeugend! Nach einem weiteren Hecht und zwei Schwallen von Fehlattacken war ich erst mal ziemlich vom Jerkbait überzeugt. Das
Experiment hatte sich voll bezahlt gemacht und wo, wenn nicht hier, bei diesem
hervorragenden Hechtbestand, sollte ich denn beim Fischen auf die scharfzahnigen
Räuber experimentieren. Die Sichtung
eines raubenden Hechts, der überhaupt nicht auf den Jerk reagierte, aber
später auf einen 1 Minus Super Stretch biss (und wieder abkam), zeigte mir
aber, dass auch ein Jerkbait kein Wunderköder ist und dass nicht jeder Hecht
auf alles beisst. Auch einer der Fehlbissschwalle vom Morgen, konnte mit dem 1
Minus Abends noch zum Biss überredet werden. Dazwischen allerdings war
Stundenlang überhaupt nichts los.
Am Montag war dann einen guten halben Tag Schleppen mit Jan
angesagt. Wir schleppten mittelgrosse Köder, wie z.B Super Shad
Rap, Ernie, Ace
und auch Jerkbaits an nur 2,5 bis 3m Schnur zwischen Rutenspitze und Köder!
Mehr Schnur wäre auch nicht gegangen, weil sonst die Köder zu tief gehen, und
man in den teilweise sehr engen Kanälen keine Kontrolle mehr über sie hätte.
Nun, ich hatte schon in Kanada erlebt, dass Hechte eine Köder direkt am Boot
angreifen, deshalb war es nicht wirklich eine Überraschung, dass es
funktionierte, aber dennoch sehr faszinierend. Eher überraschend fand ich das
relativ hohe Tempo, das Jan anschlug, weil man doch immer wieder hört, gerade
im Winter seien die Köder langsam bis sehr langsam zu führen. Wir fuhren aber
eher an der oberen Grenze vom Tempo, dass man einem Wobbler zumuten würde (ausser
vielleicht beim Fischen auf Thunfisch und Marlin), ich schätze mal so mit 5-7
km/h. Es ging dann in den Kanälen eines kleinen Dörfchens, wo das Wasser etwas
klarer war, auch so richtig rund und am Schluss hatten wir in 4 1/2 Stunden 17
Hechte gefangen und noch einige dazu gesehen. Einmal sah ich einen, der einen
Fehlangriff auf meinen Wobbler startete, oder seinen Angriff abbrach, weil er im
letzten Moment realisierte, dass das wieder so ein blöder Köder ist, um dann resigniert
mit dem Rest seines Schwungs in die Kanalwand zu stossen. Und dies alles vor
einer Kulisse, welche stark an Venedig erinnerte. Einige der Kanäle waren so
schmal, dass man das Boot kaum drin wenden konnte.
Karpfen aus dem Rohr
Den
Montag Nachmittag und den Dienstag verbrachte ich wieder zu Fuss an den Poldern
in der Nähe des Hotels. Diesmal führte ich meine Köder Schneller, weil ich
beim Schleppen gesehen hatte, wie schnell nicht zu schnell ist. Mir wurde jetzt
ein Vorteil der Wobbler gegenüber den Spinnern klar: man konnte sie schneller
führen und folglich den Polder schneller absuchen. Ich erwischte noch Hechte
auf Tobimaru, etliche auf die Grandma und
auch noch ein Paar auf einen einzelnen Lusox,
darunter auch ein fetter 78er, der mir zeigte, dass auch der Spruch "Grosse
Köder, grosse Hechte" wohl nur ein Ammenmärchen ist. Mit dem Lusox fing
ich auch noch einen (fast) regulär am Maul gehakten Karpfen, der auch richtig
gebissen hatte und einen am Bauch gehakten, der sich wie ein Hänger anfühlte,
beide aus demselben Betonrohr, welches zwei Polder verband (eines der
klassischen Hotspots), und jedes Mal hoffte ich, es wäre endlich mein erster
Polderzander. Aber der muss wohl noch bis zum nächsten mal warten. Das Angeln
in Nordholland Poldern hat mal wieder richtig Spass gemacht, 18 Hechte in 4
Tagen sind ja nicht zu verachten, und es zeigt auch ganz gut, was Catch &
Release für den Hechtbestand und das Angeln bedeuten kann.