Die
Ferien fingen ganz harmlos an. Wir hatten eine wunderschöne Unterkunft in
Puerto de Mogan gebucht und waren heilfroh, dass wir an den Hotelsilos von
Maspalomas und den mit Terrassensiedlungen vollgepappten Hängen einiger anderer
Buchten vorbeifahren konnten. Eigentlich hatte ich vorgehabt, in den Bergen nach
Stauseen mit Schwarzbarschen zu forschen, aber nach einigen Ausflügen mit der
Familie zeichnete es sich ab, dass das irgendwie mühsam werden würde (Im
folgenden Jahr gelang es mir allerdings). So
genossen wir erst mal das angenehme Klima, während zuhause der Herbst Einzug
hielt. Unser Appartement war direkt am Yachthafen und in dem klaren Wasser
konnte man allerhand Fische beobachten: die allgegenwärtigen Meeräschen, aber
auch kleine Barrakudas, Lippfische, eine Art Papageienfisch und sogar einen
Trompetenfisch. So
vergingen die Tage und meine zahlreich mitgeschleppten Angelsachen ("Nur
das allernötigste") dämmerten vor sich hin. Den Jagdtrieb lebte ich
ausschliesslich an den Kakerlaken aus, die sich in dem milden Klima offenbar
auch sehr wohl fühlten. Als ich es dann aber eines Morgens nicht mehr aushielt,
drehte ich eine kleine Spinnfischerrunde durch den Hafen, wobei allerdings schon
bald ein Yachtbesitzer mich auf ein (reales?) Angelverbot im Hafen hinwies. Na
gut, dann halt an der Spitze der Mole in der Einfahrt. Viel tat sich nicht,
obwohl hin und wieder einer der kleinen Barrakudas meinen Ködern hinterhereilte
und einmal gar ein Stück aus einem Gufi
rausbiss. Als
ich nach einem Fehlwurf (Multirolle...) meinen Flying C dann im Höllentempo
einholte, schnappte vor meinen Füssen plötzlich ein Fischchen danach, dass bei
näherem Hinsehen mit seinem verhältnismässig riesigen, zähnestarrenden Maul
ziemlich furchterregend aussah: ein Eidechsenfisch! Die Zähne waren dann aber
recht weich zum Anfassen.
Es geht Los
Nach
weiteren Tagen mit Ausflügen zu einer Krokodilfarm und einem Vogelpark gebe ich
dem Drängen meiner Tochter nach und wir Angeln noch mal etwas im Hafen mit der
Hegene: ein kleiner Lippfisch, ein schwarz-blauer Fahnenbarsch und ein weitere
Eidechsenfisch sind die (spärliche) Ausbeute. Jetzt verabreden wir uns aber mit
dem Kapitän der Shalina zu einer Hochseetour. Als wir "früh morgens"
antanzen, erst mal eine herbe Enttäuschung, wegen Motorschaden fällt die Tour
ins Wasser. Unverrichteter Dinge ziehe ich mit meiner Tochter von dannen und
hoffe inständig, dass die Burschen es schaffen, bis Morgen den Kahn wieder
Flott zu kriegen, schliesslich haben wir nur noch 2 Tage Zeit!
Am
nächsten Morgen ist dann aber alles OK und wir fahren raus. Zunächst wird
"Big-Game" geschleppt mit 50-80 Lbs Gerät, bis wir an einen Abhang
komme, wo das Wasser bis gegen 500m Tief wird. Jetzt wird von der Crew eine Boje
mit einem grossen Netz volle Steine verankert. Daran wir dann das Boot
festgemacht und jetzt heisst es, in der Tiefe angeln. Angefüttert wird mit den Überresten
der Makrelen, deren Filets als Hakenköder dienen. Weil die Trollingsaison sich
dem Ende neigt, wird also der Angelplatz fürs Tiefseefischen vorbereitet. Mit
dem schweren Gerät dauert das Hochkurbeln der Montagen jeweils Ewigkeiten, ab
und zu ist dann kleiner Fisch dran, zweimal sogar kleine Haie und manchmal sind
Haken abgebissen. Alles in allem kein berauschender Erfolg, aber beim Trollen
zurück zum Hafen beisst dann ein rechter Brocken von einem Wahoo, der mit 41 Kg
durchaus als Kapital anzusehen ist, leider zwar nicht auf meine Rute, aber ein
Spektakuläres Erlebnis ist's allemal. Spontan beschliesse ich dann, morgen, am
letzten Urlaubstag, noch mal mit raus zu fahren.
Der Letzte Tag
Wieder sind wir, meine Tochter und ich, pünktlich am Steg und bald geht die
Fahrt los. Wir trollen bis zur Futterboje und dann wird von der Crew wieder das
Tiefseegeschirr bereit gemacht. Diesmal allerdings kriegen alle Stahlvorfächer
verpasst. Wieder das gleiche Spiel wie gestern: elend langes Einkurbeln und ab
und zu ein kleines Tiefseefischlein. Dann krümmt sich aber plötzlich eins der
80Lbs Knüppel und die Bremse knarrt! Die Crew, die zuvor noch lässig in den
Seilen hing und die Kurbeltorturen der "Touristen" mit spöttischen Bemerkungen
würzte, hüpft plötzlich umher und schreit "Big Fish! Big Fish!".
Und das beste: es ist "meine" Rute! Sie wird mir gereicht und ich
steck das Ende in den Gimbal. Das zieht aber ganz ordentlich am anderen Ende!
Was mir aber wirklich Sorgen macht, ist, dass der Spulenkern schon deutlich zu
sehen ist, und der Fisch gelegentlich Schnur zieht. Irgendwie bereute ich mich
seelisch schon mal auf die Enttäuschung vor, den Fisch, der sicher der grösste
meines Lebens wäre, wegen mangelnder Schnurreserven zu verlieren. Aber so ganz
rassig zieht der auch nicht ab und ich kann ab und zu auch ganz langsam etwas
Schnur zurückholen. Nach c. 5 Minuten stehendem Drill darf ich dann in den
Kampfstuhl und krieg einen Gurt umgeschnallt, so geht das Pumpen doch leichter
und ich kann mehr Druck ausüben. Trotzdem bleibt der Kampf auf Messers
schneide, immer wieder zieht der Fisch langsam und unwiderstehlich die Mühsam
reingepumpte Schnur wieder von der Rolle. Mit viel Fingerspitzengefühl
reguliert eines der Crewmitglieder die Bremskraft und ich darf weiterpumpen.
Dann, nach vielleicht einer halben Stunde, zeigt der Fisch zum ersten mal eine
Schwächephase und ich kann richtig gut rankurbeln, jedoch nicht lange und dann
zieht er wieder ab. Trotzdem spüre ich, dass ich Oberhand gewinne und werde
jetzt optimistischer. Der Schweiss läuft mir in Bächen runter und die Glieder
schmerzen auch schon etwas, doch ich bin durch und durch glücklich. Aber musste
der unbedingt in 500m Tiefe beissen? Wenn ich denke, was für ein Anstrengung
schon nur das Einkurbeln der Montage jeweils war... Der Kampf wird jetzt zur
Routine und langsam fängt ein heiteres Ratespiel an, wer da wohl das
Makrelenfilet geschnappt hat: Ein grosser Thun, ein Schwertfisch oder ein Hai
sind die häufigsten Tipps. Als der Fisch höher kommt und dann stark zu Seite
zieht, meint Mick, der Engländer: ganz klar ein Hai, jetzt probiert er das Boot
zum Kentern zu bringen! ;) Meine Tochter ist vom ganzen gar nicht so
beeindruckt, nach über einer Stunde fragt sie, ob ich sie aufs Klo begleiten
kann und als ich ihr sage, dass ich zuerst noch mit dem grossen Fisch fertig
kämpfen muss, meint sie nur "ach so...". Nach 90 Minuten kommt der
Fisch dann endlich an die Oberfläche, aber abgekämpft ist er noch nicht,
sondern schlägt wild um sich und das Wasser zu Schaum. Frauen und Kinder
müssen auf die Fly ( die "Dachterrasse" auf der Kabine, wo auch noch
eine Steuereinheit untergebracht ist) und die Crew bewaffnet sich mit
(fliegenden) Gaffs. Jetzt wird's ziemlich wild, den der Haifisch (wie man jetzt
sieht), legt noch ein paar gute Fluchten am fliegenden Gaff hin. Ich sehe, dass
ich jetzt mit dem Ausgang des Kampfes nichts mehr zu tun hab und geh zu meiner
Tochter aufs Fly. Ein Blick zu ihr rüber sagt mir, dass sie Todesangst hat: sie
guckt ganz starr und ist extrem bleich. Auf meine Frage, ob alles OK ist, fragt
sie: Papi, kann der Hai die Treppe hoch? Als ich lachend verneine, beruhigt sie
sich etwas.
Schliesslich wird der Fisch gebändigt. Ich find's zwar schade, dass offenbar
kein generelles releasen (=zurücksetzen) von Haien stattfindet, aber das war
schon beim Einsatz der Gaffs klar. Jetzt wird erst mal auf den gelungenen Fang
angestossen und dann beschliesst der Kapitän spontan, noch zu den Delfinen
rauszufahren, die er auch nach 10 Minuten gefunden hat. Was man dann auch immer
wieder sieht, sind fliegende Fische und dann sogar die Fontäne eines blasenden
Wals! Das war jetzt aber ein schöner Abschluss eines Strandurlaubs (fast) ohne
Angeln. Der Hai wurde übrigens auf dem Fischmarkt der ortsansässigen
Berufsfischer verkauft und wog 91 Kg bei 3,20 m Länge. Ich habe ihn als
Grossaugen Fuchsschwanzhai identifiziert.
Bootstour von Puerto de Mogan: Shalina-Yachting
(Website noch da, aber Boot fährt nicht mehr :( )