Ich habe jetzt etwa 3 Jahre Erfahrung mit der Multirolle. Es begann
bei einem Hollandtrip , wo ich eine neue
Triggerrute mit einer schon lange im Schrank schlummernden ABU 6501 C3 zum
Fischen mit Jerkbaits und grossen Wobblern ausprobierte. Von da an hat's mich irgendwie
gepackt. In der Folge legte ich mir noch ein paar Triggeruten in verschiedenen
Stärkeklassen zu und auch ein paar kleinere Multis, bis hinunter zu einer
Mörrum 1601 SX, mit der man Köder ab 5g werfen kann. Jetzt fische ich immer mit
Multi, wenn es die Umstände erlaben.
Vergleich Stationärrolle - Multirolle
Kriterium
Stationär
Multi
Ködergewicht
Super bei leichten ködern, zunehmend unangenehm bei
Ködergewichten von 45g oder mehr.
Ab 30g auch durch Anfänger zu beherrschen. Je leichter
und windfängiger der Köder, umso schwerer wird's. bei 5g ist auch für
die meisten Profis Schluss.
Köderflug
Bei Ködern mit mehreren Drillingen und unruhigem
Flugverhalten verheddert sich oft ein Drilling in der Schnur. Ausserdem
nimmt die Flugbahn oft krumme Formen an
Durch den konstanten Widerstand der ablaufenden Schnur
ist diese stets relativ gestreckt: der Köder wird im Flug stabilisiert,
Verwicklungen sind viel seltener und die regelmässige Flugbahn erhöht
die Zielgenauigkeit.
Wurfpräzision
In den meisten Fällen sind die Würfe präzise genug,
aber vor allem überhängende Bäume u.ä. können sehr störend sein.
Der ruhige und lockere Wurfstil fördert die Präzision,
die gestreckte Schnur erleichtert es, unter überhängende Bäume und
Brücken zu werfen.
Platzbedarf beim Wurf
Oft reicht es, die Rute durch eine Lücke im Gebüsch zu
stecken, um einen passablen Wurf zu machen. Ideal an Verwachsenen Ufern.
Die ruhige fliessende Bewegung beim Wurf erfordert Platz,
ideal vom Boot aus.
Köderverhalten nach dem Einwurf
Der Köder kann nach dem Auftreffen aufs Wasser praktisch
ungehindert senkrecht absinken.
Wenn der Köder im Wasser sinkt, wird von alleine kaum
Schnur von der Rolle gezogen, ein senkrechtes absinken lassen ist nicht
ohne weiteres möglich.
Fehlertoleranz
Die Stationärrolle ist grundsätzlich gutmütig, wenn
auch die Köderverwicklungen etwas nervig werden können. Davon abgesehen
macht sie aber bei Gegenwind kaum Probleme.
Die Multirolle erfordert etwas Übung, vor allem wenn man
grössere Weiten mit leichteren Ködern erzielen will. Gegenwind kann
sehr unangenehm sein und Wurffehler führen zu Perücken.
Wurfgewichtsbereich
Ködergewicht ist ziemlich unabhängig von der
Rollengrösse, wird eher durch Schnurdurchmesser und Rute begrenzt
Leichte Köder erfordern eine kleinere Rolle (leichterer
Spule). Jede Multi hat ein unteres Ködergewicht, welches sich noch
sinnvoll werfen lässt
Ruten
Grosse Auswahl an Ruten.
Hierzulande nur eine sehr beschränkte Auswahl an geeigneten
Ruten mit Triggergriff
Schnureinzug
Eine Stationärrolle hat in der Regel einen schnelleren
Schnureinzug, als eine vergleichbare Multi und lässt sich auch besser
schnell kurbeln
Die kleinen Kurbeln und relativ geringen
Spulendurchmesser machen den schnellen Schnureinzug zu einer
Geschicklichkeitsübung. Die langsame Köderführung dagegen zu einem
Vergnügen.
Schnurverschleiss
Das Umlenken der Schnur am relativ engen Durchmesser des
Schnurlaufröllchens bedeutet Stress für die Schnur, ebenso die
systemimmanent ständige Verdrallung
Die Schnur wird in direkter Linie auf die Spule gewickelt
und ist weder dem Drall noch dem Abwinkeln übers Schnurlaufröllchen
ausgesetzt.
Ergonomie
Das Kurbeln und die Rutenhaltung bedeuten Stress fürs
handgelenk. Früher begannen bei mir die Beschwerden nach c. 3 Tagen
intensivem Hechtangelns
Die ganze Haltung der Hände ist sehr entspannt. Noch
bequemer wird es, wenn man die Rolle in die Handfläche der (rechten)
Hand nehmen kann. Beim Fischen mit der Multi hab ich auch nach 6 Tagen
Angeln mit teils schweren Ködern und vielen Hechten keinerlei
Beschwerden gespürt.
Umsteigen von Stationär auf Multi
Die meisten Angler in unseren Breitengraden fangen mit der Stationärrolle an
und das aus gutem Grund: Sie ist einfacher zu werfen. Dieser schlichten Tatsache
sollte man sich bewusst sein, wenn man den Umstieg wagen will. Insbesondere bei
der Wurfweite sind am Anfang, und das heisst, je nach Geschicklichkeit, in den
ersten Monaten bis Jahren, keine der Stationärrolle vergleichbarer Resultate zu
erwarten. Allerdings muss man ja meistens nicht wirklich weit werfen beim
Spinnfischen. Andererseits bietet die Multirolle beim Fischen mit Schweren
Ködern ab c. 30g doch ein paar wesentliche Vorteile: Die Drillinge der Wobbler
verfangen sich kaum noch in der Schnur und die unangenehme Belastung des
Zeigefingers fällt weg. Überhaupt lassen sich schwere Köder mit der Multi
besser handhaben, da beim Wurf viel weniger Gewalt erforderlich ist und beim
Einkurbeln mehr Kraft rüberkommt. Entspanntes Angeln ist auch mit Jerkbaits von
60-100g möglich. Als Umsteiger von der Stationärrolle sollte man beachten:
Linkshand Multi
So kann man wie gewohnt kurbeln, es gibt schon genug zum umgewöhnen.
Triggergriff
Mit einem Triggergriff hat man die Rute viel besser in der Hand, sonst fehlt
einem die Stabilität, die der Rollenfuss zwischen den Fingern bei der
Stationärrolle bietet. Das Wurfgewicht sollte hoch sein, weil es auch
besser ist, mit schweren ködern anzufangen.
Schwere Köder
Mit Ködergewichten von mindestens 25g, besser 30 und mehr stellen sich sehr
schnell Erfolgserlebnisse ein. Bei leichteren Ködern empfiehlt es sich eher
dickblechige Blinker und Gummiköder mit anständigen Bleiköpfen zu
verwenden, als Wobbler mit geringem spezifischem Gewicht oder Spinner.
Daumen!
Der Daumen ist das wichtigste beim Angeln mit der Multirolle. Er sollte beim
Wurf immer ganz leicht in Tuchfühlung mit der rotierenden Spule, resp. der
davonschiessenden Schnur sein. Sobald der Köder auf der Wasseroberfläche
auftrifft, stoppt der Daumen die Rotation der Spule. Wenn man langsam
übermütig wird, und anfängt die Wurfbremse zu lösen, spürt man am Daumen
die beginnende Perücke und kann dann die Bremskraft verstärken.
Perückenlösen
Perücken werden am Anfang unweigerlich auftreten, sind aber meist relativ
einfach zu lösen, wenn sie nicht gerade durch eine völlig unkontrolliert
rotierende Spule entstanden sind: zunächst A) Daumen fest auf die Spule und
Schnur abziehen, bis es blockiert. Jetzt die Schlaufe identifizieren, welche
die abziehende Schnur gefangen hat, die Schlaufe nach hinten rausziehen, bis
die Schnur wieder frei abläuft und weiter bei A). Ich habe den Eindruck,
das auf Multis, im Gegensatz zu Stationärrollen, geflochtene Schnüre die
gutartigeren Perücken verursachen als Monofile.
Keine Gewalt
Der Wurf soll und muss immer viel weicher erfolgen, als bei der
Stationärrolle. Meine meisten Verwicklungen habe ich mir bisher
eingefangen, weil ich ganz automatisch mit mehr Kraft grössere Weiten
erzielen wollte. Bei der Stationärrolle geht das, bei der Multi nicht
(jedenfalls nicht als Anfänger). Lieber vorsichtig die Bremse etwas
aufmachen.
Seitlich Werfen
Aus irgendeinem Grund kommen viele Anfänger mit einem seitlichen Wurf, egal
ob Vor- oder Rückhand, viel besser klar, als mit dem "klassichen"
Überkopfwurf. Wahrscheinlich weil man die seitlichen Würfe viel eher weich
ausführt.
Besser werden, mit den Bremsen spielen
Irgendwann ist man kein ganz blutiger Anfänger mehr, der Daumen verhindert
ab und zu eine sich aufbauende Perücke im Flug und es wird zeit, sich um
die Bremsen Gedanken zu machen. Der von aussen zu erreichende Knopf ist
dabei das erste Opfer, wir können ihn gefühlvoll immer etwas weiter
aufdrehen, bis wir wieder die geliebten Perücken kriegen. Die konservative
Einstellung dieser Wurfbremse wird meist so beschreiben: Freilauf ein und
Bremse so einstellen, dass der Köder bei Waagrecht gehaltener Rute und
leichtem Schwippen der Rutenspitze so gerade eben in Bewegung kommt. Eine
etwas leichtere Einstellung sagt, der Köder soll fallen, aber beim
Auftreffen auf dem Boden, soll die Spule aufhören zu rotieren. Die
eingefleischten Daumenbremser sagen: die Bremse ist soweit aufzudrehen, dass
die Spule eben noch ohne Spiel rotieren kann. Dann gibt es noch die
Fliehkraftbremse (oder manchmal Magnetbremse), die oft von aussen gar nicht
zugänglich ist. Dabei lohnt es sich durchaus, auch diese Bremse mit
zunehmender Übung zu reduzieren. Die Fliehkraftbremse ist vor allem in der
Anfangsphase des Wurfs wirksam, die Schleifbremse eher gegen Ende des Wurfs.
Wenn man also Perücken gleich am Anfang hat, sollte man die
Fliehkraftbremse erhöhen oder lockerer Werfen, Perücken am Ende des Wurfs,
sollten eher mit der Schleifbremse oder dem Daumen kontrolliert werden. Und
bei Perücken in der Mitte des Wurfs ist's halt schwer zu sagen...