Wir
reisten im Zug nach Rostock und luden dort unser Gepäck (inkl. Kinderwagen und
Angelzeugs) in einen kleinen Ford Ka um. Dann ging's im Auto weiter nach Rügen,
wo gerade eine Veranstaltung eines lokalen Radios stattfand und zu
fürchterlichem Stau in Stralsund führte. In der Elf-Tankstelle gleich vorm
Rügendamm besorgte ich mir dann noch die Küstenkarte ( 1 Woche für 5.20 €
). Irgendwann kamen wir dann bei unserer Ferienwohnung in Juliusruh an. Montag
morgen hatte ich mich mit Pete, den ich vom Anglerboard
kenne und der sich auf der Insel auskennt, provisorisch zum Watfischen an der
Küste verabredet. Im letzten Moment klappte dann die Kontaktaufnahme per Handy
und wir konkretisierten unsere Pläne. Es sollte zur Kreptitzer Heide im Norden
der Insel gehen. Meerforellen sei nicht mehr viel los, weil die Hornhechte
überall rumkurvten und die anderen Fische nervös machten. So war es dann auch,
frühmorgens, bevor die Sonne so richtig schien, war noch einigermassen Ruhe,
aber als die ersten Strahlen aufs Wasser trafen, ging's so richtig los.
Praktisch bei jedem Wurf machte sich so ein Vieh am Blinker (Toby Imitation) zu
schaffen. Der Haken fasst zwar nicht toll in dem Schnabel, aber ich krieg doch 4
Fische aus dem Wasser, 2 weitere drille ich wenigstens eine Zeit lang, bevor sie
abkommen. Den ersten hab ich gekeschert, aber davon kann ich nur abraten, denn
er hat sich und vor allem den Blinker fürchterlich ins Netz reingedreht. 2
nehme ich mit für die Küche, aber muss feststellen, dass das nicht mein
Geschmack ist. Die türkisfarbenen Gräten stören mich nicht, sehen ganz
hübsch aus, aber ich find er schmeckt wie ein gottverdammter Süsswasserfisch.
Vielleicht hätte ich ihn doch filetieren sollen, aber was bleibt denn dann noch
übrig?
Die Boddenhechte
Am
Donnerstag wurde es dann ernst. Um 5 Uhr früh wollte der Guide Mathias
Fuhrmann, bei dem ich 2 Tage Hechtfischen gebucht hatte, in Schaprode losfahren.
Da ich fast um die ganze Insel rumkurven musste (Fähre fuhr noch nicht), hiess
es um 1/4 vor 4 aus den Federn zu kriechen. Wir fuhren dann mit 4 Mann gar nicht
so weit raus und probierten unser Glück vor einer Krautkante, wo auch schon
bald die ersten Hechte bissen. Keine Riesen (60-80cm),
aber sie stürzten sich mit Vehemenz auf handlange Wobbler
in eher dezenten silbrigen, weissen und goldigen Tönen. Besonders beliebt
schien der Super Shad Rap zu sein, aber auch Turrus
Ukko, Manns 1- Super Stretch und vergleichbare Modelle finden gut, Mathias
probierte auch immer mal wieder einen grossen Löffelblinker, der ebenfalls fing
. Eine gleichmässige Köderführung schien ausreichend zu sein, wenn nicht gar
der unregelmässigen überlegen. Ich begann aber an mir zu zweifeln, weil ich
noch keinen Fisch gefangen hatte, während der 'Rekord' schon bei 5 Stück lag.
Im etwas tieferen Wasser (c. 3 m) vor der Krautkante wurde ich dann aber gegen
11 Uhr entschädigt, als ein Fisch kurz hinter meinem weissen Lusox
Doppelspinner aufblitzte und ich einen Stupser am Köder spürte. Ich
kurbelte weiter und als der Spinner vielleicht noch
einen knappen Meter unter der Oberfläche war (keine 2 Sekunden später) schoss
noch mal ein grüner Torpedo hervor um gleich mit meinem Köder im Maul kehrt zu
machen. Der anschliessende Drill spielte sich hauptsächlich unter dem Boot ab,
mit beängstigend gekrümmter Rute und den typischen Zurufen mitfiebernden
Angler ('Bremse auf', 'lass ihn Ziehen' (etwa unterm Boot durch, oder was?)).
Nach relativ kurzem aber sehr heftigem Kampf wurde der Fisch dann von Mathias
fachmännisch gekeschert. Ich war beinahe überzeugt, dass ich jetzt endlich
meinen Meterfisch hatte, aber das Massband zeigt 'nur' 97cm. Aber das trübte
meine Freude über diesen schönen Fisch nicht, dem ich die Freiheit wieder
schenkte indem ich ihn am Bootsrand an der Schwanzflosse in Schwimmlage hielt,
bis er sich von Strapazen (Drill und Fotografieren) erholt hatte und mit einem
kräftigen Schwanzschlag davonschoss. Aber mit den Stückzahlen der anderen
konnte ich nicht mithalten, nur noch einen guten 70er auf den Super
Shad Rap und 3 Nachläufer konnte ich melden. Am nächsten Tag gingen wir
etwas später los, so dass ich die erste Fähre nehmen konnte. Mein Schicksal
wiederholte sich: kein Biss, während die anderen hin und wieder einen Fisch
landen konnten. Wir gingen dann an die Fahrrinne, um im tiefen Wasser ( 5 - 10m)
mit Gummifisch unser Glück zu versuchen. Die beiden
anderen hatten auch hier je ein Hecht erwischt, etwas grössere als im Flachen,
und ich schien wieder leer auszugehen. Als Mathias mit dem Motor unsere Position
korrigierte kurbelte ich meinen blauweissen 15cm Shad mit
Rucken in die Höhe und sah dann einen grünen Blitz, der ihn wieder in die
Tiefe riss. Wieder ein schöner Hecht von gut 90cm, der
grösste des Tages, der aber an der Bootswand ohne Nachmessen freigelassen
wurde. Es blieb an diesem Tag mein einziger Hecht.
Interessant war aber der Fang eines Hornhechts, der nicht etwa gehakt war,
sondern sich mit seinen Zähnchen im der Wolle eines Mepps
Lusox verfitzt hatte! Ich denke, man würde sie mit Wolle besser fangen als
mit Haken, wenn man's drauf anlegen würde.
Und so ging wieder ein Urlaub zuende, ohne dass ich die Metermarke geknackt
hätte. Besonders rätselhaft fand ich, dass ich mit Abstand am wenigsten Fische
von allen fing, aber an beiden Tagen den grössten. Einfach nur Zufall, oder
was?